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Symposium „Strategie gegen Antibiotikaresistenz“ in Hannover am 02.03.2016

Symposium Titel

Am 02.03.2016 konnte eine kleine Gruppe Mitglieder der BI Gesunde Luft, gesunder Boden in Mettingen e.V. am ganztägigen Symposium „Strategie gegen Antibiotikaresistenz“ im großen Vortragssaal der Ärztekammer Hannover teilnehmen.

SymposiumIm Anschluss an die diversen Expertenvorträge (Vertreter verschiedener human- und veterinärmedizinische Fachgebiete) bot sich die Gelegenheit die gemeinsame niedersächsische Strategie gegen Antibiotikaresistenz zu diskutieren. Im Zentrum dabei stand der One-Health-Aspekt und mögliche fachübergreifende Schnittstellen zwischen Human- und Veterinärmedizin einschließlich des Lebensmittel- und Umweltbereiches.

 

Zusammenfassend hier nun einige der „eindrucksvollsten“ Zahlen und Daten, die insgesamt nur wenig Anlass zu Optimismus geben:

 

Antibiotikaresistenzen:

Europaweite Gefährdung für Mensch und Tier durch Antibiotikaresistenz (aktuell sterben ca. 25.000 Menschen/Jahr in Europa an Infektionen durch multiresistente Erreger (MRE))

  • weltweit aktuell ca. 700.000 Todesfälle/Jahr, bis 2050 werden es ca. 10 Mio./Jahr sein (lt.O`Neill-Report, England 2014)

  • Multiresistente Erreger sind nicht neu und nicht selten, neu ist jedoch, dass sie zunehmend als Krankheitserreger (Infektionen) in Erscheinung treten

  • die sog. postantibiotische Ära (Zeitalter in den Antibiotika nicht mehr gegen die MRE wirken) steht nicht bevor, sondern wir sind mittendrin

  • so werden mittlerweile 50% aller Sepsisfälle (Blutvergiftungen) auf griechischen Intensivstationen durch MRE verursacht

  • es ergibt sich insgesamt ein additiver Effekt: Infektionen durch empfindliche (antibiotikasensible) Erreger plus MRE-Infektionen

  • die Erbinformationen bzgl. Resistenzen werden von Keim zu Keim durch Plasmide z.T sehr schnell weitergeben (Beispiel hierfür: E.coli MCR 1+ für Colistinresistenz) (Colistin gilt als Reserveantibiotikum bei Infektionen durch MRE), leider sind Colistinresistenzen bei Nutztieren mittlerweile nicht nur in China weit verbreitet, sondern auch u.a. in Dänemark und Deutschland (lt.Bundesinstitut für Risikobewertung und WHO)

 

Nutztierhaltung:

  • seit 2013 gilt in Deutschland: systematische Erfassung der Antibiotikaabgabe an Bauern/Tierzüchter

  • in Niedersachsen sind diesbzgl. 21.000 Betriebe meldepflichtig, bei 6000 waren Minimierungsmaßnahmen erforderlich (wg. zu großem Antibiotikaverbrauchs)

  • von 2013 bis heute betrug die Reduktion der Antibiotikamenge ca. 20-30% bei Geflügel, bei Schweinen < 20%)

Dia Reduktion Antibiotikamenge

  • Allerdings: Anstieg des Antibiotikaverbrauchs (incl. Reserveantibiotika) bei der Ferkelaufzucht!


==> allgemeiner Konsens bzw. Forderung:

  • möglichst geringer Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin!

  • Anstieg der Resistenzraten bei Darmkeimen (z.B. E.coli ESBL) ( bei Mensch und Tier) in den letzten 5-7Jahren

  • Vorkommen von LA-MRSA (landwirtschafts-assoziierter multiresistenter Staphylococcus aureus) und E.coli ESBL in der Landwirtschaft: > 55% aller Schweinehaltungsanlagen in NRW/Niedersachsen (im Münsterland sogar > 70%)

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  • Beispiel Putenfleisch: zu > 40% mit LA-MRSA und zu >60% mit E.coli ESBL besiedelt

  • Nachweis dieser Keime auch in der Gülle, Abluft,und Umgebungsboden von Tierhaltungsanlagen

  • Übertragung dieser multiresistenten Keime auf den Menschen durch direkten Kontakt zu mit MRE besiedelten Nutztieren geschieht häufig (insbes. Tierärzte, Landwirte und deren Familienangehörige)

  • hierdurch sind Infektionen möglich bei diesen „Risikogruppen“ (ambulante Infektionen, behandlungs-assoziierte („Krankenhaus“-) Infektionen, berufsbedingte Infektionen)

Häufigkeiten:

  • Häufigkeit von LA-MRSA-Besiedlungen bei bestimmten Berufsgruppen:  Schlachthofarbeiter: 3-8%, Schweinehalter: bis 86% (bis 33% E.coli ESBL im Darm), Schweinetierärzte: bis 45%, Landwirtschaftsangehörige: zw. 7 und 86%

Dia Berufsgruppen

  • MRSA-Vorkommen (Nase/Rachen) in der Allgemeinbevölkerung in Deutschland: 1%

  • E.coli-ESBL-Vorkommen (Darm) in der Allgemeinbevölkerung: 4-6%

  • Anteil der LA-MRSA-Infektionen an Gesamt-MRSA-Infektionen bundesweit: 2-4% (d.h. >95% aller MRSA-Infektionen sind hospital acquired MRSA, sog. HA-MRSA)

  • Allerdings: im Kreis Steinfurt/Münsterland beträgt der Anteil der Blutstrominfektionen durch LA-MRSA 37% (also 9-18x häufiger als im Bundesdurchschnitt), von diesen LA-MRSA positiven Personen hatten 38% überhaupt keinen Kontakt zu Landwirten, Tierärzten oder Nutztieren! (lt. einer Studie in Dänemark mit umfassenden Daten lag dieser Prozentsatz bei 34%)

Symposium2

Dia MRSAInfektion

 

  • somit ist nachgewiesenermaßen der Anteil der LA-MRSA-Träger in tierdichten Regionen deutlich höher als in den übrigen Landesteilen, mögliche Übertragungswege hierbei: Abluft, Gülle und/oder Fleisch?

  • Häufigkeit von LA-MRSA in der konventionellen Tierhaltung („Massentierhaltung“): 67-81%

  • Häufigkeit von LA-MRSA in der ökologischen Tierhaltung („Bio-Landwirte“): 26%

 


Thema Abluftreinigung:

  • Problemstellung: mittlerweile sehr großer Tierbestand in Deutschland (Schweine +45%, Geflügel +165% in den letzten 10 Jahren)

  • d.h. wachsende Fleischproduktion in Deutschland führt zu immer größeren Emissionen aus der Tierhaltung

  • von 22.000 Schweineställen hatten im Jahre 2013 nur 762 eine Abluftreinigung, was einer Quote von nicht mal 3,5% entspricht!

Dia Abluftreinigung

  • Stichwort Abluftwäscher: Bioaerosole können bis zu 80-90% reduziert werden, eine vollständige Keimrückhaltung kann jedoch nicht gewährleistet werden

 


Bisherige Initiativen in Niedersachsen:

  • Reduzierung des Antibiotikaverbrauchs

  • Filtererlass im Jahre 2013

  • ggf. notwendig: Ausrüstung weiterer Tierhaltungsanlagen mit Abluftreinigungsanlagen (z.Zt. nur für große zwangsbelüftete Schweineställe verbindlich vorgeschrieben)